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Natalia Iwanowa:
Wie der Super-GAU in Tschernobyl ihr Leben veränderte
Das Leben von Natalia Iwanowas ist seit dem
Unfall von Tschernobyl anders.


Zwei Tage nach dem Unfall wurde Natalia um Mitternacht aus dem Schlaf gerissen. Fast alle schwangeren Frauen und Kinder wurden in jener Nacht zu Sammelpunkten gebracht. Niemand war sich dem Ernst der Lage wirklich bewusst, klare Informationen gab es keine. Es war wie im Krieg, die Leute waren in Panik, erinnert sich Natalia. Die Reise endete nach 140 km wo Natalia Unterschlupf bei ihren Eltern fand. Erst nach einem halben Jahr wurde die ganze Bevölkerung evakuiert, das Dorf aufgegeben. Die Möbel waren derart verstrahlt, dass sie aus dem Zügelwagen geholt und verbrannt wurden.

Ihren Job in einem Kindergarten verlor Natalia, weil er geschlossen wurde. Die junge Frau bewarb sich schliesslich in einem Waisenhaus in der Stadt Wesnowa.


Etwa einen Drittel der Kinder stammt aus kontaminierten Gebieten. War es für Natalia schon schwer genug, mit den gravierenden Veränderungen ihres Lebens zurecht zu kommen, belastete sie die Arbeit zu Beginn enorm. In dieser Institution werden die Kinder mehr oder weniger aufbewahrt, es gibt keinen Platz für pädagogische Prinzipien, für Schulung und Entwicklung.

Heute gibt es in Weissrussland mehr institutionalisierte Kinder als nach dem 2. Weltkrieg. Aufgrund des markanten Anstiegs der Geburtsschäden nach der Katastrophe in Tschernobyl leben immer mehr Kinder in Waisenhäusern. Und das vor allem aus einem Grund: Obwohl es auch Familien gibt, die ein missgebildetes Kind abschieben, können sich die meisten die aufwändige Pflege für ein schwer behindertes Kind schlicht nicht leisten. Im Waisenhaus trifft man Kinder mit Tumoren so gross wie Fussbälle, Beine, die sich nicht strecken lassen und Augen ohne jeglichen Ausdruck (wissenschaftlich ist bekannt, dass selbst kleine radioaktive Dosen über längere Zeit schwere Organ- und Hirnschäden in einem Fötus bewirken können).
Aufgrund der Zunahme von radioaktivem Cäsium im Herzmuskel, haben sich in Weissrussland seit 1986 allein die Herzinfarkte vervierfacht. Natalia betreut ein Mädchen dessen Beine unter dem Körper gefaltet sind und nicht zum Gehen benutzt werden können. Das Kind bräuchte dringend Physiotherapie, aber wo soll man bei 150 Kindern in diesem Waisenhaus anfangen?

Quelle Text und Bild: Mads Eskesen: "Chernobyl 20 years - 20 lives".
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Was geschah in Tschernobyl?
Am 26. April 1986 ereignete sich im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl der schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie.

In der Nacht vom 25. zum 26. April 1986 explodierte der Reaktor Nr. 4 des Leninkraftwerkes bei Tschernobyl und brannte in den folgenden Tagen komplett aus. Dabei wurden grosse Mengen radioaktiv strahlender Substanzen in die Luft geschleudert, die sich in der näheren und weiteren Umgebung niederschlugen. Die Freisetzung von mehreren Tonnen hochradioaktiven Materials aus dem explodierten Block 4 von Tschernobyl führte zu einer weiträumigen Verseuchung des Bodens, der Pflanzen, Menschen und Tiere sowie der Gewässer. Auch das Grundwasser wurde langfristig mit radioaktiven Stoffen belastet.

In den folgenden Monaten kamen sogenannte "Liquidatoren" nach Tschernobyl (Soldaten, Studenten und "Freiwillige"), die das Kraftwerk dekontaminierten, weitere Gefahrenquellen eliminierten und schliesslich den Sarkophag umbauten, der heute den explodierten 4. Block umschliesst. Die Zahlenangaben zu den Personen schwanken zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Menschen. Die Strahlung liess Menschen erkranken und sterben. Ärzte kämpfen um das Leben von Kindern, operieren Schilddrüsen am laufenden Band, bestrahlen, um Metastasen am Wachstum zu hindern und müssen dennoch zu oft mit ansehen, wie der Tod stärker ist als ihre Kunst. Die Strahlung machte ganze Regionen in Weissrussland und in der Ukraine unbewohnbar. Die Städte Pripjat und Tschernobyl in unmittelbarer Umgebung des Reaktors wurden innerhalb von Tagen evakuiert. Über 400'000 Bewohner aus der direkten Umgebung des Atomkraftwerkes mussten umgesiedelt werden und haben ihre Heimat auf Dauer verloren. 2'900 km2 um Tschernobyl bleiben für Jahrtausende unbewohnbar.

Die meisten Todesfälle sind auf die Spätfolgen der Verstrahlung zurückzuführen, zum Beispiel auf Krebserkrankungen, Immunschwäche-Krankheiten (so genanntes "Tschernobyl-Aids"), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen (Selbstmord). In ganz Europa, vor allem in den am meisten betroffenen Gebieten in Weissrussland und der Ukraine sterben noch heute "Unbeteiligte" an den Folgeschäden von Tschernobyl. Die Krebs- und Kindersterblichkeitsraten steigen an, in den stark verstrahlten Gebieten sogar explosionsartig.

Der gesundheitliche Zustand der Kinder, die auf verstrahlten Böden aufwachsen, ist erschreckend. 21 Jahre später sind 92.7 % erkrankt oder gestorben. Und diese Folgen werden sich nicht auf die heutigen Generationen beschränken.

Tschernobyl ist eine Katastrophe, die niemals endet.
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Zum 20. Jahrestag von Tschernobyl:
Grösste Umweltkatastrophe durch AKW-Explosion am 26.4.1986
Die Tschernobyl-Katastrophe, welche Radioaktivität von vergleichsweise 300 Hiroshima-Bomben freigesetzt hat, jährte sich am 26. April 2006 zum 20. Mal! Grosse Teile des europäischen Kontinents wurden für tausende von Jahren radioaktiv verseucht. Millionen von Menschen und Tieren, welche heute in den bestrahlten Gebieten der Ukraine, Weissrussland und Russland leben, sind dauernd den Strahlungen ausgesetzt. Die Folgen sind Krebserkrankungen, Störungen des Nervensystems, erhöhte Säuglingssterblichkeit, Todgeburten und vieles mehr. Es gibt praktisch keine gesunden Kinder mehr!

Meldung der Prawda 16.12.2002:

"Tschernobyl hat schon 168'000 Tote und 3.2 Millionen Opfer gefordert".


Die nationale und internationale Atomlobby scheut keine Mittel, um für den Bau von weiteren Atomkraftwerken gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört, dass Berichte und Studien von der WHO und der IAEA systematisch zensuriert oder verschwiegen werden.

UDEO schweigt nicht:
Deshalb liessen wir zum 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe zur Erinnerung ein grosses Inserat in der Neuen Luzerner-Zeitung NLZ erscheinen:


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